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Dem Fachräftemangel begegnen "Projekt Spanien"

Bild (Zingel): v.l. Lidia Martinez Montano (Kita Bloherfelde), Günter Zingel (Ekito Geschäftsführer), Carlos Batllevel Ruiz (Kita Wundergarten), Marina Hinojo Gil (Kita die Arche in Ofen), Monserrat Sanches Marin (Kita Donarstraße), Sandra Hornos Llorente (Kita Großer Kuhlenweg), Ariadna Ortega Orriols (Kita Ofenerdiek), Andrea Merino Benitez (Kita Spurenleger), Matea Mustapic (bbf sutain); es fehlen Lidia Richarte Gutierrez (Kita St. Ansgar), Anna Laura Garcia Cortez (Kita St. Johannes), Irene Tamayo Perez (Kita Bürgerstraße) und Kismely Roman Senise (KitaEtzhorn)

Bereits Anfang 2019 entstand eine Kooperation zwischen dem ekito Verbund, der ZAV (Bundesagentur für Arbeit) und der Firma bbf sustain GmbH aus Oldenburg. Zusammen ist es gelungen sechs hoch motivierte Fachkräfte aus Spanien zu gewinnen und einzustellen und langfristig zu binden. Im Mai 2020 sollten weitere fünf Sozialpädagogische Assistentinnen aus Spanien folgen, was durch die Pandemie verzögert wurde. Im September 2020 sind nun endlich 11 weitere spanische Fachkräfte angekommen und unterstützen unsere Teams bei der Betreuung der uns anvertrauten Kinder.

Die Fa. bbf sustain GmbH sorgt in dem Projekt für die Kontakte und Vorstellungsgespräche, unterstützt bei der Integration und der pädagogischen Betreuung, sorgt für Wohnungen und bietet den Spracherwerb nach B2 an. Es stehen jederzeit Dolmetscher für alle Belange bereit. Diese Arbeit wird vom Kultusministerium über ein ESF(Europäischer Sozialfond)-Projekt teilfinanziert.

Warum suchen die jungen Fachkräfte aus Spanien eine Arbeit in Oldenburg? In Spanien liegt die Arbeitslosenquote bei den jungen Menschen über 30 Prozent. In dem Bereich Erzieher/in und Sozialassistent/in wurde in den letzten Jahren in Spanien weit über dem heimischen Bedarf ausgebildet. Die gut ausgebildeten Fachkräfte müssen sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser halten und haben nur selten die Möglichkeit in ihrem erlernten Beruf dauerhaft zu arbeiten. In dem Projekt durchlaufen die arbeitssuchenden Spanier/innen zunächst in ihrem Heimatland einen sechs monatigen Deutschkurs. Der darauffolgende Stellenantritt und Projektstart in Deutschland erfolgt mit einem B1-Deutschniveau.

Das von der ZAV erarbeitete Projekt beinhaltet die Fortführung und den Erwerb der Deutschkenntnisse auf B2-Deutschniveau, dies erfolgt innerhalb von 12- 14 Monaten,

während der Beschäftigungszeit in Deutschland, in der Praxis und in einem Integrations- und Deutschkurs (2x wöchentlich). Die zusätzlichen Kosten hierfür (ca. 5000 € pro Fachkraft) hat der ekito Verbund zunächst selbst finanziert. Für die 11 neuen Mitarbeitenden stehen Fördermittel aus dem Europäischen Solidaritätskorps und der NBank zur Verfügung.

Im Jugendhilfeausschuss der Stadt Oldenburg wurde in der Novembersitzung ein Finanzierungsbeschluss ab 2021 eingebracht und beschlossen, sodass zukünftige Kosten für Integration und Spracherwerb über die Betriebskostenrichtlinie der Stadt abgerechnet werden können. Dadurch haben nun alle Träger die Möglichkeit, sich an dem Projekt Spanien zu beteiligen.

Die Integration unserer neuen Mitarbeitenden liegt uns besonders am Herzen, so Geschäftsführer Günter Zingel, wir treffen uns deshalb monatlich mit allen Beteiligten um das Projekt zu reflektieren.

Nach fast 2 Jahren im Echtbetrieb kommen weiterhin von allen Beteiligten sehr positive Rückmeldungen. Die anfänglichen Bedenken bei den sprachlichen Hürden konnten ausgeräumt werden. „Ein kleines Beispiel dazu: Beim Vorlesen werden unser Fachkräfte aus Spanien teilweise von den Kindern in der Aussprache korrigiert, das ist Sprachförderung pur.“

Ich bin sehr froh, dass wir trotz aller Probleme und Widerstände, auch durch die Pandemie, dieses Projekt etablieren konnten. Seit September sind nun auch schon 3 spanische Fachkräfte in katholischen und 2 in städtischen Einrichtungen beschäftigt. Dies ist auch ein großer Schritt in Richtung Europa.

Für das nächste Projekt, das für 2021 vorgesehen ist, werden weitere Kooperationspartner gesucht.


Günter Zingel ist Dipl.Kfm. und war zuletzt Geschäftsführer von 25 Kindertagesstätten des Kirchenkreisverbandes Ostfriesland-Nord in Aurich. Vorher hat er als leitender Mitarbeiter in verschiedenen Kliniken (Karl Jaspers Klinik in Oldenburg und Klinikum Leer) und im Hafenamt Brake im Finanzwesen und im Einkauf gearbeitet. Er bringt also breit gefächerte Erfahrungen aus sehr unterschiedlichen Arbeitsbereichen mit. Seit 2006 ist er Mitglied im Kirchenvorstand der ev.-luth. Kirchengemeinde Leer und wurde 2018 für weitere 6 Jahre wieder gewählt. Seit dem 01. Februar 2018 ist er als Geschäftsführer des  "ekito" Verbundes in Oldenburg tätig.